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Free Solo

Besser als ein Höhenrausch

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Mittwoch, 22.05.2019
20:30 Uhr

Es ist diese perfekte Mischung aus sensationellen Kletterbildern, die es so noch nie zu sehen gab, grandiosem Naturerlebnis und psychologischer Tiefe, die „Free Solo“ so sehenswert und außergewöhnlich macht. Einen großen Anteil daran hat auch Honnolds neue Freundin Sanni McCandless, die im Film oft präsent ist. Die dokumentierte Interaktion der beiden hebt den Film auf ein neues Level abseits der gigantischen sportlichen Leistung. McCandless ist charakterlich das genaue Gegenteil von Honnold – eine offene, emotionale und extrovertierte Person. Sie will eine normale Beziehung haben, während Honnold seine Ziele verwirklichen will – koste es, was es wolle, und sei es sein Leben.

Dieser Konflikt verleiht „Free Solo“ ganz nebenbei die erzählerische Tiefe eines Charakterdramas. Das führt zu berührenden und manchmal auch emotional aufrüttelnden Momenten, etwa wenn der in Beziehungen unerfahrene Kletter-Nerd seine Freundin nicht in seine Planung einweiht, wann er seinen Rekordversuch starten möchte. In seiner unbeholfenen Sturheit würde er sich lieber trennen, als sie noch näher an sich heranzulassen. Sie lenkt ihn ab – bewusst oder unbewusst. Nachdem sich die beiden kennengelernt haben, verursacht McCandless zumindest einen von zwei schweren Abstürzen, bei denen sich Honnold in ihrer Begleitung verletzt. Auch auf dieser menschlichen Ebene fiebert man in „Free Solo“ mit, dass Honnold erwachsen genug ist, die sympathische McCandless nicht abzuservieren, nur um seine Ziele zu erreichen, während sie versucht, die Beziehung für beide möglich zu machen.

Die ethische Dimension

Honnold tut zwar verrückte Dinge, ist aber kein Verrückter. Selbst wenn er kurz nach einem erlittenen Bänderriss unter Schmerzen und mit Schutzschuh schon wieder klettert, obwohl er sich schonen sollte. Er wägt das enorme Risiko genau ab und zieht wie in der Einleitung geschrieben zur Not auch zurück, wenn das Gefühl am Berg nicht stimmt. Als Hauptfigur interagiert er im Film mit der gesamten Crew, das verleiht „Free Solo“ nicht nur zusätzliche Vitalität, sondern vermittelt auch etwas Familiäres. Wenn die Aktion schief geht, verliert das mitkletternde Filmteam ein „Familienmitglied“.

Dazu zerrt diese immer über dem Projekt schwebende nicht unwahrscheinliche Möglichkeit des Todes von Honnold an den Nerven der Crew. Co-Regisseur Chin zum Beispiel ist ständig mit sich selbst im Zwiespalt, welche Verantwortung er bei Honnolds Tod tragen würde: Üben die vielen Kameras zu viel Druck aus? Fühlt sich Honnold berufen, deswegen mehr zu riskieren als normalerweise? So thematisiert „Free Solo“ auf besonders spannende Weise auch das uralte Dokumentarfilm-Dilemma um die nicht auszuschließenden Wechselwirkungen zwischen Beobachter und Beobachtetem.

Fazit: Die herausragende Kletter-Dokumentation „Free Solo“ ist ein mitreißend-emotionales Filmerlebnis, das einen ganz tief in den Kinosessel presst.

Regie:  Elizabeth Chai Vasarhelyi, Jimmy Chin

Darsteller: Alex Honnold, Sanni McCandless, Tommy Caldwell

Genre: Dokumentarfilm

Filmlänge: 100 min

FSK: ab 6 Jahren

USA 2019

Öffnungszeiten

Montag  - Mittwoch

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